Tagesarchiv für den 14. Januar 2010

Brustkrebs-Screening

In Ländern mit öffentlichen Brustkrebs-Screening-Programmen wird statistisch bei einer von drei Frauen, denen Brustkrebs diagnostiziert wird, ein Krebs festgestellt, der bei den jeweiligen Patientinnen niemals jedwede Symptome ausgebildet hätte, bevor die betreffende Frau an anderen Gründen gestorben wäre. Dies enthüllte eine neue Studie.
?Krebs-Screenings können zu einer früheren Entdeckung von tödlichen Krebserkrankungen führen, gleichzeitig aber auch harmlose Erkrankungen feststellen, die weder tödlich enden würden, noch irgendwelche Symptome aufzeigen würden,? schrieben die Forscher des Nordic Cochrane Center in Dänemark im Fachmagazin British Medical Journal.

?Die Entdeckung solcher Krebserkrankungen, die im verbleibenden Leben der betreffenden Person niemals wären festgestellt worden, nennt man Overdiagnosis (dt. etwa: Übertriebene Diagnose/Überdiagnose), und ebendiese Krebsleiden sind nur für jene Menschen gefährlich, die ?überdiagnostiziert? wurden.?

Forscher analysierten die Diagnoseraten von Brustkrebs bei sowohl nicht gescreenten wie auch gescreenten Frauen in Australien, Kanada, Norwegen, Schweden und im Vereinigten Königreich über mindestens sieben Jahre und nachdem die öffentlich geförderten Screening-Programme in den jeweiligen Ländern begannen. Wie erwartet stellten sie einen Anstieg der Brustkrebsdiagnosen fest, sobald die Screening-Programme in den Staaten begonnen hatten. Die Brustkrebs-Raten bei älteren Frauen nahmen jedoch nicht dementsprechend ab ? was gleichbedeutend damit ist, dass die Screenings, anstatt Krebserkrankungen früh zu erkennen, bloß Krebs festgestellt haben, der andernfalls niemals erkennbare Auswirkungen auf das Leben der Frauen gehabt hätte.

Bei der Untersuchung aller Sorten von Brustkrebs hatte die Rate der Überdiagnosen nach der Einführung der Screening-Programme eine Spannweite von 46% (in Schweden) bis zu 59% (in Kanada) ? bei einer durchschnittlichen Quote von 52%. Bei den invasiven Fällen ? wo der Krebs sich über das Brustgewebe hinaus ausgebreitet und einen wahrscheinlicheren tödlichen Ausgang hat ? und daher mit größerer Wahrscheinlichkeit auch aggressiver zu behandeln ist ? lag die durchschnittliche Überdiagnostizierung immer noch bei 35%; anders gesagt bei mehr als einem in drei Fällen.

Dies war bereits das zweite Mal, dass dieses Forschungsteam Hinweise darauf gefunden hat, dass das Thema ?Überdiagnose? eine ernstzunehmende Folge öffentlich geförderter Screening-Programme ist.

?[Die Studie] bedeutet, dass Krebs-Screenings ? in diesem Fall für Brustkrebs ? ein größeres Problem darstellen, als bisher angenommen,? schrieb Gilbert Welch vom Dartmouth Institute for Health Policy in einem begleitenden Editorial. ?Zwar haben die Screenings den Vorteil, manchen Frauen zu helfen, aber ebenso beinhalten sie die Konsequenz, dass andere Frauen unnötigerweise gegen Krebs behandelt werden, und das ist keineswegs ein trivialer Umstand.?

Da keine Tests existieren, die eine genaue Prognose ermöglichen, wie aggressiv oder gefährlich eine Krebserkrankung sein wird, werden alle Frauen, denen Brustkrebs diagnostiziert wird, in dieselben Behandlungsprogramme eingeordnet, von denen viele ? wie beispielsweise Chemotherapie, Bestrahlung und Brustoperation ? ernsthafte und sogar gefährliche Nebenwirkungen mit sich bringen.

Befürworter der Screenings bestehen darauf, dass die Vorteile des Screenings immer noch die Risiken von Überdiagnosen aufwiegen würden.
?Ohne Screenings würden die Frauen sich der Aussicht gegenübersehen, auf sichtbare Symptome des Krebses wie Geschwülste warten zu müssen, bevor die Behandlung beginnen könnte,? erklärte Emma Pennery vom Breast Cancer Care.

Sarah Cant von Breakthrough Breast Cancer stimmte zu, wies aber daraufhin, dass Frauen ein eindeutiges Informationsgespräch über das Screening erhalten müssten, damit sie in der Lage seien, eine wohl informierte Entscheidung zu treffen.

Welch glaubt ebenfalls, dass eine verbesserte Aufklärung essentiell sei, und regte an, dass Ärzte ihren Patientinnen eine einfache Statistik zeigen sollten, die die relativen Risiken und positiven Auswirkungen der Behandlung gegenüberstellt, wobei diese Statistik auf das jeweilige Krankheits- und Risikoprofil der Patientin zugeschnitten sein müsste.

?Die Mammographie hilft zweifellos einigen Frauen, aber sie schädigt andere,? sagte er. ?Es gibt keine richtige Antwort, es handelt sich eher um eine vollkommen persönliche Entscheidung.?

bisher 2 Kommentare 14. Januar 2010


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